Vortrag: Schmetterlinge im Churer Rheintal am 25.11.2016 von Werner Poplutz

es war in Feldis am 1.August 2008 bei der Begegnung mit einem Alpen-Apollo, woraus auch sein erstes „Schmetterlings-Porträt“ resultierte, dem seither ungezählte, Fotos – nebst Schmetterlingen auch von Blumen - gefolgt sind; seine Publikation „Entdecken, Bewundern, Bewahren. Blumen und Schmetterlinge in der Region Imboden rund um den Rheinzusammenfluss“ (Terra Grischuna Verlag) belegt dies eindrucksvoll. Die damals erwachte Leidenschaft hat ihn nie mehr losgelassen und er hat sich als Autodidakt nicht nur ein grosses Wissen über diese Insekten-Ordnung angeeignet, er verfügt auch über eine grosse Erfahrung darin, wo man die verschiedenen Arten suchen und wie man sich ihnen nähern muss, wenn man sie aus der Nähe betrachten oder fotografieren möchte – und natürlich die hohe Schule der Artbestimmung, die bei vielen Arten auch die Differenzierung der Geschlechter umfasst und so anspruchsvoll ist, dass selbst ein ausgewiesener Kenner wie er sich nicht in jedem Fall seiner Sache ganz sicher sein kann.

Das Referat beginnt mit einigen Zahlen zu der Ordnung der Schmetterlinge oder Falter (Lepidoptera): es gibt etwa 175'000 Arten (in den tropischen Regenwäldern werden laufend neue entdeckt, während insbesondere in der zivilisierten Welt die Artenvielfalt leider stetig abnimmt), die ältesten Fossilienfunde überhaupt sind ca. 350 Mio. Jahre alt, in unseren Breiten sind in Bernstein eingeschlossene Falter aus dem Tertiär (vor etwa 50 Mio. Jahren) die ältesten Belege für das Vorkommen von Faltern.

In der Schweiz gibt es ungefähr 3670 Schmetterlingsarten, darunter sind etwa 250 Tagfalterarten, wovon in Graubünden etwa 200 vorkommen. Beim Zählen der Arten muss man auch betrübliche Zahlen zur Kenntnis nehmen: unter dem Titel „Der leise Tod der Schmetterlinge“ hat Werner Poplutz den dramatischen Rückgang der Schmetterlingspopulation und -arten vor Augen geführt: etwa 50% der Arten gelten aktuell als gefährdet, das Schweizer Mittelland hat seit anno 1900 etwa 99% seiner Falterpopulation verloren. Die Ursachen sind dieselben, die auch vielen anderen Insekten- und Wildtierarten in unserer, vom Menschen intensiv genutzten Landschaft, zu schaffen machen: Verbauung der Lebensräume, Sport und Freizeitaktivitäten, die gern in die „unberührte“ Natur verlegt werden und damit die Habitate verschiedenster Tierarten betreffen, Intensivlandwirtschaft mit hohem Einsatz von Spritz- und Düngemitteln, Monokulturen, Verlust natürlicher Wiesen und Moorgebiete), Umweltverschmutzung etc.

Es folgt eine Übersicht über die Ordnung der Schmetterlinge, bei der sich Werner Poplutz auf diejenigen Arten beschränkt, die im hier behandelten Bereich des Churer Rheintals vorkommen, und die folgendermassen unterteilt werden:

1. Echte Tagfalter (Ritterfalter, Weisslinge, Edelfalter, Augenfalter, Schnauzenfalter, Bläulinge)

2. Unechte Tagfalter und Kleinschmetterlinge (Dickkopffalter, Widderchen, Spanner, Spinner, Schwärmer, Eulenfalter, Zünsler)

3. Nachtfalter (auf die im Rahmen des Referats von ein paar Fotos abgesehen nicht näher eingegangen wird).

Den Abschluss des Einleitungsteils bildet eine Übersicht über die verschiedenen Lebensräume, an welchen Schmetterlinge anzutreffen sind. Das reicht vom Hochgebirge über Hochmoore bis in den Talgrund, von Flussauen und offenem Wiesenland (Trocken- und Magerwiesen), zu lichten Wäldern und Waldrändern.

Nach diesen einleitenden Bemerkungen geht Werner Poplutz über zum Hauptteil seines Vortrags, den in unserer näheren Heimat vorkommenden Schmetterlingsarten, die er in eindrücklichen Fotos zeigt und mit Kommentaren versieht, die immer wieder den Sinn des Referenten für träfen und trockenen Humor verraten und dem Publikum manches Lächeln und Lachen entlocken. Es waren vor allem die Bilder, die jetzt die Aufmerksamkeit beanspruchten und die Betrachter begeisterten, und die muss man eben gesehen haben, man kann sie nicht „nach-erzählen“, und eine Aufzählung der gezeigten Arten würde diesem Erlebnis nicht gerecht – es sei noch einmal auf die Publikation von Werner Poplutz (s.o.) verwiesen. Dass man dort neben rund 260 Aufnahmen von Schmetterlingen auch 550 grossartige Blumenfotos findet, ist kein Zufall, Schmetterlinge und Blumen gehören sehr oft zusammen. Viele der an diesem Abend gezeigten Bilder lieferten auch dafür den Beweis.

Der Kommentar, mit dem der Referent den Bilderreigen begleitete, bot zumal den weniger Kundigen unter den Zuhörern viel Neues, oft auch Unerwartetes und Verblüffendes. Etwa, dass Schmetterlinge eine besondere Vorliebe für blaue Blumen zu haben scheinen, dass auch sie ein Revier beanspruchen, das regelmässig mit „Patrouillenflügen“ überwacht und gegen Rivalen verteidigt wird (in Indonesien hat Werner Poplutz einmal beobachtet, dass zwei Schmetterlinge sogar eine Schwalbe verjagt haben). Ausserdem gibt es den Balzflug und – für den Beobachter und Fotografen günstiger – den Flug zwecks Nahrungssuche. Die meisten Falter sterben zu Beginn der kalten Jahreszeit und die nächste Generation überdauert den Winter im Ei-, Raupen- und Puppenstadium Aber es gibt auch bei den Schmetterlingen Arten, die überwintern, bei uns ist das z.B. der Zitronenfalter, der Temperaturen bis –20° trotzt. Andere Arten (z.B. der Admiral) ziehen, um der Winterkälte zu entgehen, über die Alpen in den Süden und kehren im Frühling zu uns zurück. Ein besonderes Verhalten zeigt auch die Raupe des Thymian-Ameisenbläulings, die in Symbiose mit Ameisen in deren Bau lebt. Gewisse Arten haben sich auf ganz bestimmte Lebensräume spezialisiert, so der Waldbrettspiel, der ausschliesslich auf Waldwegen zu finden ist, oder der Dunkle Alpenbläuling, der sich in hohen Berglagen über 2000 m.ü.M. wohl fühlt. Obwohl das Facettenauge eines Schmetterlings sich aus 12000 Einzelteilen zusammensetzt, sehen Schmetterlinge nicht gut, ihr wichtigstes Sinnesorgan sind die Fühler, bei denen es verschiedene Ausformungen gibt. Buntheit und Farbenpracht sind gewissermassen das Markenzeichen v.a. vieler Tagfalter, es gibt aber auch ausgesprochene Tarnungskünstler (z.B. der Mondvogel, ein Nachtfalter, der tagsüber nur schwer zu entdecken ist, wenn er inaktiv ist).

Aufnahme: Werner Poplutz

Wenn andererseits die Musterung der Flügel bunt und auffällig ist, kann sie der Abschreckung allfälliger Fressfeinde dienen, etwa durch die sog. Augen an der Flügeloberseite beim Tagpfauenauge (Bild links), während derselbe Falter bei geschlossenen Flügeln in der richtigen Umgebung ebenfalls sehr gut getarnt ist Bild rechts;

Aufnahmen: Werner Poplutz

Die Zeichnung kann innerhalb derselben Art variieren, bei manchen Arten sind Männchen und Weibchen an der unterschiedlichen Färbung erkennbar.

Während des ganzen Vortrags war neben der Begeisterung und Bewunderung, die Werner Poplutz der Schmetterlingsfauna entgegenbringt, auch seine Sorge und das Engagement für ihre Erhaltung und Förderung zu spüren. Am wichtigsten ist, wie bei anderen Tierarten auch, die Erhaltung intakter Lebensräume, erkennbar etwa bei den Rhäzünser Rheinauen, wo seit der Renaturierung (als Ersatz für den Föhrenwald auf dem Stallingerareal) der Grosse Schillerfalter wieder vorkommt und im Jahr 2016 erstmals auch der Kleine Schillerfalter beobachtet wurde. Aber auch kleinräumigere Massnahmen können positiv wirken: Wo möglich auf frühes Mähen verzichten und Blumen oder die für viele Arten wertvollen Disteln stehen bzw. Fallobst liegen lassen. Die „Sommervögel“, die unsere Natur mit ihrer vielfältigen, zarten Schönheit bereichern, haben es verdient, dass man Sorge zu ihnen trägt.

A propos „zart“: Die Frage liegt nahe, was ausgerechnet diese fein und verletzlich scheinenden Falter mit „schmettern“ zu tun haben. Antwort: gar nichts. Auch das erfuhr man bei diesem Vortrag. Die Bezeichnung geht vielmehr auf das mitteldeutsche Wort „Schmetten“ zurück, das „Rahm“ bzw. „Sahne“ bedeutet und aus dem Tschechischen „smetana“ (auch Name des Komponisten) übernommen worden ist. Offenbar, weil gewisse Schmetterlingsarten vom Rahm magisch angelockt werden – was eine Entsprechung im Englischen „butterfly“ findet; im Volksglauben galten solche Schmetterlinge als verwandelte Hexen, die den Rahm umflattern, um ihn zu stehlen.

Das Publikum verdankte die prachtvollen Bilder und die spannenden, humorvoll vorgetragenen Ausführungen von Werner Poplutz mit grossem Applaus.

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