Die Obstbäume an der Halde unter dem Weg zeigen sich im Moment in einer wunderbaren Blütenpracht und die Massnahmen zur Förderung der Biodiversität sind offensichtlich. Der Turmfalke fliegt aus dem Kasten am Gebäude, das Wasser des kleinen Teiches wartet auf seine Bewohner, Steinhaufen, Trockenmauern und Hecken verbergen und schützen ihre Lebewesen. Es tut der Seele wohl, zu sehen und zu hören, wie sich Menschen einsetzen für eine intakte Natur und sei sie noch so klein. Albert und Sergio beweisen, dass schon kleine Eingriffe schnell eine Veränderung bringen, verschwundene Pflanzenarten wieder hervorspriessen und so auch Insekten und Vögel anlocken. Beide setzen viel Zeit ein für das Studium dessen, was sie verändern wollen, indem sie lesen, Statistiken studieren, altes Wissen durchforschen und mit Fachleuten und Bauern reden.

Sie erzählen von den Brombeeren, die jedes Jahr ausgerissen werden müssen, vom Mähen in diesen steilen Hängen (wovon einige Anwesende ein Lied singen können – und es auch tun!), Albert Nigg klärt uns auf über die Pflege, das Veredeln und das Ernten und Haltbarmachen des Obstes. Wir erfahren, dass es in der Schweiz 1200 Apfelsorten und 800 Birnensorten gibt, von denen aber viele verschwunden sind oder verändert wurden, um dem Wunsch der Konsumenten entgegenzukommen.

Die «Länggala» ist eine Birnensorte, die man nur dörren kann, man probiert sie nur einmal zu essen und spuckt sie wieder aus. Die «Herbst- oder Spohtlänggala» gibt es nur noch in Mastrils. Früher verdienten sich viele Familien in Mastrils ein Zusatzeinkommen mit dem Dörren. Es gab 25 Standorte mit 38 Dörröfen. Die beiden von Judith und Albert Nigg sind die einzigen, die noch in Betrieb sind. In der Zeit der Ernte hält sich Judith vor allem bei den Öfen auf, um die Birnen zu sortieren, rein zu schieben, nach 24 Stunden raus zu holen, neu ordnen und das 3-4 Mal. Andere Apfel- und Birnensorten werden gepresst, gelagert, getrocknet.

Die meisten Obstbäume sind auf Fremdbestäubung angewiesen, auch viele Zwetschgensorten. Das bedeutet, dass sich die gleiche Sorte nicht selbst befruchten kann. Wenn man das nicht beachtet, gibt es auch keine Ernte.

Am Schluss des Spaziergangs stehen wir vor einer «Kalkblaugrashalde», die auf Sergios Wunsch etwas von Bäumen befreit wurde und wegen der Trockenheit (Mastrils hat auf seinen Flächen wenig Wasser) seltene und erstaunlich viele Arten von Pflanzen hervorbringt, so viele wie im Regenwald, behauptet Sergio. 

Von hier aus sehen wir auch «Sergios Rheinauen». Interessant ist, dass der Rhein einst auf Meereshöhe floss. Über die Jahrtausende hat sich der Talboden mit Kies und Schutt über 500 Meter hoch aufgefüllt. Mit der zunehmenden industriellen Kiesentnahme und der Kanalisierung des Rheins, hat der Fluss wieder begonnen sich einzugraben. Weil die Kieswerke seit 2018 das Sediment vermehrt weiter fliessen lassen müssen, bemerkt man wieder eine grössere Dynamik in den Rheinauen.

Es gäbe noch mindesten doppelt so viel zu erzählen, Einzelheiten über die Geschichte, die Flurnamen, das Veredeln und das Dörren. Jetzt ist aber Schluss. Danke Albert, danke Sergio. Ich habe viele begeisterte Kommentare gehört. Danke für euren Einsatz.

Rita Tanner